LEKTORENDIENST – LEITFADEN
Klarer Überblick über Aufgaben, Verantwortung und Grenzen des Lektorendienstes im evangelischen Gottesdienst.
1. Grundunterscheidung
Im kirchlichen Sprachgebrauch wird der Begriff Lektorendienst in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Für die Praxis ist eine klare Unterscheidung notwendig:
- Einfacher Lektorendienst: Mitarbeit innerhalb eines von einem Pfarrer, Liturgen oder Prediger geleiteten Gottesdienstes.
- Erweiterter Lektorendienst: eigenständige Leitung eines Gottesdienstes ohne Pfarrer, mit besonderer Ausbildung und kirchlicher Beauftragung.
2. Der einfache Lektorendienst
Der einfache Lektorendienst ist eine unterstützende Aufgabe. Die Gesamtleitung des Gottesdienstes und seiner Liturgie liegt beim Pfarrer, Liturgen oder Prediger.
2.1 Regelmäßige Aufgaben
- Freie Begrüßung der Gemeinde (nach Absprache) mit Wochenspruch oder Votum
- Erste Lesung: alttestamentliche oder Epistel-Lesung
- Zweite Lesung: Evangelium
- Vorsprechen des Glaubensbekenntnisses
- Beim Totengedenken gegebenenfalls: Verlesen der Verstorbenen und/oder Anzünden der Gedenkkerzen
2.2 Aufgaben im Abendmahlsgottesdienst
- Mithilfe bei der Austeilung der Oblaten (Hostien)
- (keine eigenständige liturgische Leitung des Abendmahls!)
2.3 Vorsprechen des Glaubensbekenntnisses
- In den meisten Fällen wird das Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen. Der Lektor soll es auswendig vorsprechen können. Der Text steht im Gesangbuch.
- Apostolisches Glaubensbekenntnis
- Gelegentlich wird das Glaubensbekenntnis gesungen: EG 183 oder EG 184.
- Andere Formen des Glaubensbekenntnisses (Beispiele hier) gibt der verantwortliche Liturg vor.
2.4 Abkündigungen
Bei Gast-Pfarrern oder Gast-Predigern, die die Gemeinde nicht kennen, übernimmt der Lektor häufig die Abkündigungen.
2.5 Lesepredigt im Notfall
Nur in Ausnahmefällen – etwa bei kurzfristigem Ausfall des vorgesehenen Predigers durch Krankheit oder Unfall – kann der Lektor ausnahmsweise eine vorbereitete Predigt verlesen (Lesepredigt).
Eine solche Lesepredigt ist keine eigenständige Verkündigung, sondern das verlässliche Vortragen eines freigegebenen Textes.
Unter folgenden Links (Verweisen) können fertige Lesepredigten heruntergeladen werden:
- Zentrum Verkündigung
- VELKD Lesepredigt
- Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur
- Göttinger Predigten im Internet
2.6 Mitwirkung bei Fürbitten
Auf Wunsch des verantwortlichen Liturgen können Lektoren auch beim Vortrag der Fürbitten beteiligt werden. Dies wird vorher abgesprochen. In der Regel handelt es sich um vorformulierte Bitten.
3. Der erweiterte Lektorendienst
Beim erweiterten Lektorendienst übernimmt der Lektor die vollständige Leitung eines Gottesdienstes einschließlich einer Lesepredigt. Es gibt keinen anwesenden Pfarrer, Liturgen oder Prediger.
3.1 Voraussetzungen
- abgeschlossene kirchliche Ausbildung für den erweiterten Lektorendienst
- offizielle Beauftragung durch die zuständige Kirche
- regelmäßige Fortbildung und Begleitung
3.2 Aufgaben
- vollständige Gottesdienstleitung
- Lesungen und Gebete
- Predigt in der vorgesehenen Form (z. B. Lesepredigt oder freigegebene Predigtform)
- Abkündigungen, Fürbitten, Sendung und Segen im vorgegebenen Rahmen
4. Haltung und Verantwortung
Unabhängig vom Umfang des Dienstes gilt: Lektorendienst ist ein kirchlicher Auftrag und geschieht nicht im eigenen Namen, sondern im Dienst der Gemeinde und der Kirche.
- Sorgfältige Vorbereitung
- klare, ruhige Sprache
- Respekt vor liturgischen Formen und Grenzen
- verlässliche Absprachen mit Pfarrer und Gemeinde
5. Vorbereitung
5.1 Klärungen im Vorfeld
- Für den einfachen Lektorendienst teilt der den Gottesdienst leitende Geistliche die zu lesenden Texte mit. Wenn dies nicht geschieht: selbständig nachfragen!
- Welche Texte stehen fest (Wochenspruch, Perikopen, gegebenenfalls Predigt zum Vorlesen, gegebenenfalls Abkündigungen)?
- Falls keine Texte mitgeteilt werden, werden die für diesen Tag vorgesehenen Texte im Lektionar benutzt. Das Lektionar liegt in den Kirchen aus.
- Welche Besonderheiten gibt es (Taufe, Abendmahl, Gedenken, Gastchor, Gastmusiker, Konfirmanden etc.), die in der Begrüßung genannt werden sollen?
- Hier finden sich Beispiele für besondere Begrüßungen.
5.2 Praktische Vorbereitung
- Probe-Lesen: laut, im Stehen, mit den endgültigen Texten.
- Namenslisten und heikle Aussprachefragen vorher klären.
- Alles, was du am Lesepult brauchst, in einer festen Reihenfolge bereitlegen: Lektionar auf der richtigen Seite aufschlagen, gegebenenfalls Abkündigungsordner und Kerzen für Geburtstagskinder bereitlegen. Eigenes Gesangbuch bereithalten.
- Sprich langsamer, als du es im Gespräch gewohnt bist.
- Setze Pausen: nach Absätzen, vor wichtigen Sätzen, nach dem Evangelium.
- Sinnabschnitte beachten, nicht Wort für Wort „abspulen“.
- Artikulation vor Lautstärke: deutlich sprechen, nicht „drücken“.
- Aufrechte Haltung, ruhiger Stand.
- Blickkontakt: regelmäßig, aber ohne „Abscannen“.
- Wenige, passende Gesten. Keine hektischen Bewegungen am Pult.
Merksatz: Wer vorbereitet ist, kann ruhig sprechen. Wer ruhig spricht, hilft der Gemeinde beim Hören und Beten.
6. Lesungen und Vortrag
6.1 Lesungen
- Vor jeder Lesung: kurze Ansage, was gelesen wird (Bibelstelle). Ist die Lesung gleichzeitig der Predigttext, dann darauf hinweisen.
- Vor der Evangeliumslesung: Mit der Gemeinde (die aufgestanden ist) gemeinsam "Ehr sei dir, o Herre" singen.
- Nach der ersten Lesung: "Wort des lebendigen Gottes." Die Gemeinde antwortet: "Gott sei Lob und Dank."
- Nach dem Evangelium: Mit der Gemeinde zusammen "Dank sei dir, o Herre." singen.
- Nach der Lesung gegebenenfalls ansagen, welches Lied folgt.
6.2 Predigt vorlesen (falls zutreffend)
- Vorher prüfen: Text vollständig, gut lesbar, in sinnvoller Schriftgröße.
- Beim Lesen: deutlich gliedern, Zwischenüberschriften hörbar machen (kleine Pause).
- Kein Improvisieren, keine „Korrekturen“ am Predigttext während des Vortrags.
6.3 Glaubensbekenntnis vorsprechen
- Der Vortrag des Glaubensbekenntnisses durch einen Lektor ist weder persönlicher Redebeitrag noch Ausdruck individueller Frömmigkeit. Das Glaubensbekenntnis ist Bekenntnis der ganzen Gemeinde.
- Der Lektor übernimmt die Aufgabe, dieses gemeinsame Sprechen zu eröffnen und zu ordnen. Er gibt Tempo, Rhythmus und Sicherheit, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen.
- Der Lektor eröffnet das Bekenntnis, trägt die Gemeinde im gemeinsamen Sprechen und tritt zurück, sobald dieses einsetzt.
- Entsprechend erfolgt der Vortrag ruhig, gesammelt und sachlich, mit mäßigem Tempo und gut verständlicher, gleichmäßiger Lautstärke. Artikulation und Betonung dienen allein der Verständlichkeit; interpretierende Akzente, Pathos oder gestische Begleitung sind zu vermeiden.
- Der Text wird wortgetreu nach der im Gottesdienst verwendeten Ordnung gesprochen.
7. Abkündigungen
- Die Abkündigungen werden für jeden Gottesdienst schriftlich vom Gemeindebüro vorbereitet. Der Ordner mit den Abkündigungen liegt in der Sakristei und soll vor Beginn des Gottesdienstes zur Kanzel gebracht werden.
- Kollekte: Zweck benennen und gegebenenfalls erläutern, gegebenenfalls auch Dank für frühere Ergebnisse.
- Bei Terminen: Datum, Uhrzeit, Ort – in dieser Reihenfolge.